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KATRIN BURSEG

Die Rebellin des Papstes




Rom, Frühjahr Anno 1656

Es waren die Glocken Roms, die sie weckten. Das Angelusläuten schwebte über der schlafenden Stadt. Es rief die Gläubigen zum morgendlichen Gebet und vertrieb mit seiner magischen Kraft jeden Dämon und nächtlichen Geist. Christina hörte die Glocken der Peterskirche heraus, ihren dumpfen Klang, der schwer über dem Tiber lag, dazu das ungeduldige Läuten der benachbarten kleineren Kirchen. Müde drehte sie sich auf die Seite und blinzelte in das blasse Licht des frühen Morgens, das durch die Vorhänge sickerte.

„Vivos voco, mortuos piango, fulgura frango“, murmelte sie die alte lateinische Beschwörungsformel der Glocken, die mahnend aus ihrem Spiel herausklang: „Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, Blitze breche ich.“

Sie gähnte, strich sich die Haare aus dem Gesicht und versuchte, ihre nachtschweren Gedanken zu ordnen. Anderes kam ihr in den Sinn, weniger Heiliges: Kardinal Azzolino, der behauptet hatte, das Angelusgebet gelte allein dem Kampf der katholischen Kirche gegen das tägliche Laster. „Für das frühe Aufstehen zu läuten, heißt, gegen die Macht des Teufels zu Felde zu ziehen“, hatte er augenzwinkernd erklärt.
„Der Klang des Erzes schlägt alles Böse in die Flucht, sogar den lasterhaften Wunsch, sich noch einmal in die Laken zu rollen und das Vergnügen des Schlafes zu suchen.“ ...
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