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KATRIN BURSEG

Das Königsmal




Atemlos hatte das Mädchen hinter ihrem duftenden Blättervorhang den Worten ihrer Mutter gelauscht. Wiebkes Gedanken wanderten zurück zu einer seltsamen Begegnung, die sie im vergangenen Sommer gehabt hatte, als sie hinten auf dem Feld bei der Ernte half. Zur Mittagszeit hatte sie sich zwischen den Brombeeren ausgeruht und dort von den Beeren genascht.
Plötzlich hörte sie es hinter sich im dichten Gebüsch rascheln und eine fremde Frau stand vor ihr. Die dunklen Augen und das lange schwarze Haar zeigten Wiebke, dass die Fremde dem umherziehenden Zigeunervolk angehören musste.
„Wem gehört dieses Land?“, fragte die Frau.
„Dem Bauern Henneke Kruse.“
„Und wer bist du?“
„Seine jüngste Tochter.“
„Dann habe ich dich vielleicht früher schon einmal gesehen“, sagte die Zigeunerin lächelnd. „Du wirst dich nicht erinnern, aber ich habe dich nicht vergessen. Ein hübsches Mädchen bist du geworden, schlank und mit hohen Wangen und klugen Augen. Obwohl du nicht mehr das Mal auf deiner Stirn trägst wie damals. Das haben sie dir wohl bei der Taufe gründlich abgewaschen, bist ja jetzt ein gutes Christenkind. Gib mir deine Hand, damit ich sehen kann, ob ich damals richtig gelesen habe.“ ...


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