Justin, 16:
„Das kommt immer so, das Scheißebauen“
Ich kenne Justin seit beinahe einem Jahr, weil ich an der Schule, die er besucht, mehrere Schulklassen betreue. Er ist 16 Jahre alt, von muskulöser Statur und passt „idealtypisch“ in das Schema eines zukünftigen Knastanwärters: pubertierender Junge, Förderschüler mit Hang zur Schulverweigerung, aus einfachen Verhältnissen stammend. Vor unserem Gespräch war Justin wegen seines aggressiven Verhaltens gerade erst wieder einmal Thema einer Schulkonferenz. Außerdem schwänzt er regelmäßig die Schule. Es ist daher fraglich, ob er in einem halben Jahr seinen Abschluss machen kann.
Eigentlich ist er ein herzensguter Junge, der am liebsten nicht erwachsen werden möchte. Die Zukunft macht ihm Angst, weil er weiß, wie schwer es für ihn werden wird, einen Beruf zu erlernen und seine Träume von einer eigenen Familie und einem Haus zu verwirklichen. Und so flüchtet er sich, anstatt sich anzustrengen und die Schule erfolgreich zu absolvieren, vor jeder Verantwortung in seine Tagträume, immer in der Hoffnung, jemand möge ihn retten.