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FRANZISKA STEINHAUER

Angst



„So! Damit ist wohl klar, dass es der Martin auch nicht war!“
Der Sprecher lehnt sich zurück, verschränkt die Arme vor dem ausladenden Bauch und sieht erwartungsvoll in die Gesichter der anderen.
„Das kannst du gar nicht mit Gewissheit sagen, Friedrich!“, widerspricht ein anderer am Tisch und nippt an seinem Weinglas. „Woher willst du denn jetzt schon wissen, was in Martins Testament steht?“
„Ich weiß es eben!“, gibt Friedrich zur Überraschung der anderen zurück. Unwilliges Brummen macht sich am Stammtisch im Ultnerhof breit.
„Wie denn? Wir haben ihn gerade erst unter die Erde gebracht, und das Testament wurde noch gar nicht verlesen! Weißt du, ich glaube, du willst dich nur wichtig machen!“ Klaus funkelt Friedrich wütend an. „Seit mehr als zwanzig Jahren sitzen wir hier nach jeder Beerdigung und fragen uns, ob der Tote möglicherweise der Mörder war. Mir reicht’s jetzt allmählich!“
„Wenn wir nur Gewissheit hätten! Aber so?“ Volker zuckt mit den Schultern.
„Also – ich habe vorhin mit Martins Witwe gesprochen. Sie hat das Testament in seinem Schreibtisch gefunden. Und er hat die Sache mit keinem Wort erwähnt!“, trumpft Friedrich auf.
 „Nun, so viele bleiben gar nicht mehr übrig. Die Jungen im Dorf scheiden ohnehin aus, und die Alten ...“
„Vielleicht ist der Täter längst tot und hat sein Geheimnis mit ins Grab genommen“, meint Christian, und sie verfallen in brütendes Schweigen. Viele sind gestorben, seitdem der Mord an der Hauswirtschafterin des Pfarrers das Tal erschütterte. „Vielleicht war es ja auch eine Frau und Eifersucht das Motiv.“
„Na, jetzt geht aber die Fantasie ganz schön mit dir durch!“, brummt Friedrich unwillig. „Für so einen Mord kommt eine Frau nicht in Betracht!“
„Ach nein? Willst du etwa behaupten, du kennst dich mit Frauen aus? Dann wärst du wohl der Einzige von uns!“, meint Christian grantig und denkt dabei an den Streit, den er gerade heute Morgen erst mit seiner Frau gehabt hat.


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